Neben dem ASV Botnang, dessen Kunstrasen kaputt ist, sind die Cannstatter der einzige Verein in der Landeshauptstadt, dessen Hartplatz umgewandelt wird. Darüber freut sich ganz besonders auch der FC Stuttgart-Cannstatt, ehemals türkischer Klub TSV Hilalspor Stuttgart, der als Mieter auf der Anlage des TBC spielt.
Eigentlich sollten für Sportplatzumwandlungen in den nächsten beiden Jahren keine finanziellen Mittel bereitgestellt werden. Doch laut den Grünen stelle der Fall TBC in Verbindung mit dem FC Stuttgart-Cannstatt etwas Besonderes (wir berichteten) mit wichtiger Integrationsarbeit dar, der gefördert werden müsse, wie es im Vorfeld der Haushaltsberatungen hieß. Zusammen mit der SPD boxten sie die Sache im Gemeinderat durch. Bei vielen Vereinen stießen die Grünen und die SPD mit der Haltung pro Sportplatzbau beim TBC auf Unverständnis. „Wir betreiben ebenfalls wichtige Integrationsarbeit, warten seit vielen Jahren auf einen Platz und gehen nun leer aus“, war von mehreren Vereinen zu hören. Das möchte Werner Wölfle, Fraktionsvorsitzender der Grünen, gar nicht bestreiten. „Alle Vereine leisten unbestritten wichtige Integrationsarbeit. Im speziellen Fall kooperieren aber zwei Klubs miteinander, die völlig unterschiedliche kulturelle Wurzeln haben. So kommt ein gegenseitiger Austausch zustande, der unterstützt gehört“, so Wölfle.
Zudem wolle die Stadt in den nächsten Jahren verstärkt Vereine unterstützen, die zusammenarbeiten würden.Für Walter Betsch, den Vorsitzendes TB Cannstatt, kam der Zuschlag für seinen Verein zwar „überraschend, aber anscheinend hat unser gemeinsames Konzept mit dem FC Stuttgart manche Fraktion und Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann überzeugt.“ Denn seit mehr als einem halben Jahr habe sich das Verhältnis zwischen dem TBC und dem FC derartig gebessert, dass die Zusammenarbeit intensiviert wurde und weiter wird. So werden unter anderem für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund Sportprogramme angeboten. Sehr gefragt sei auch der Kurs „Mutti lernt deutsch“, bei dem die Sprache gelernt und Gymnastik praktiziert wird. Für den Fortbestand der FC-Fußballer sei ein Kunstrasen sehr wichtig. Denn laut Vertrag mit dem TBC dürfe der Verein nur den Hartplatz nutzen, da die TBC-Leichtathleten den Rasenplatz mit Laufbahn beanspruchen. „Und nur auf einem Hartplatz ist ein ständiger Spiel- und Trainingsbetrieb mit so vielen Mannschaften nicht machbar“, weiß Betsch.
Auch Ali Baykan, Abteilungsleiter des FC Stuttgart-Cannstatt, versucht die Besonderheit der Beziehung mit dem TBC herauszustreichen. „Sicherlich, in den Anfangsjahren haben wir das Gelände des TBC mitbenutzt, mehr auch nicht. Aber seit geraumer Zeit kooperieren die Vereine sehr gut und profitieren gegenseitig.“ Im Sommer sei zum Beispiel ein großes Familienfest geplant. Der FC hat derzeit 13 Mannschaften mit Spielern aus 17 Nationen, von denen viele aus dem sozialen Brennpunkt Hallschlag kommen. „Wir haben es geschafft, diese Jugendlichen zu disziplinieren und in einen regelmäßigen Sportbetrieb zu integrieren.“ Jedoch weiß auch Baykan, dass die anderen Fußball-Klubs ebenfalls „gute zwischenmenschliche Arbeit leisten“ und so sei der Integrationsaspekt nicht der einzige Ausschlag für den Sportplatz gewesen. Aufgrund des Platzmangels müssen „wir Kinder und Jugendliche zurückweisen, weil wir aus allen Nähten platzen. Die Kapazitäten sind erschöpft. Vom neuen Platz erhoffen wir uns Besserung, weil er ständig bespielbar ist.“Mit dem Bau des neuen Kunststoffrasenplatzes soll im Frühjahr 2011 begonnen werden. Die Kosten belaufen sich auf 570 000 Euro, wovon die Stadt 490 000 beisteuert, der Rest „kommt von Zuschüssen“, weiß Sportamtsleiter Günther Kuhnigk.
- Fassung aus dem Originalen.
Quelle: cannstatter-zeitung.de
Artikel vom 22.01.2010 © Eßlinger Zeitung
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